Virta

Virta Boost (Erweiterung für erneuerbare Energien)

Aktualisiert:
Lesezeit:
Schwierigkeit:

Virta Boost erweitert das Virta Adaptive Lastmanagement (ALM) und ermöglicht die Priorisierung lokal erzeugter erneuerbarer Energien wie Solar, Wind oder Batterie beim Laden von Elektrofahrzeugen. Es maximiert die Nutzung grüner Energie, senkt Energiekosten und schützt das Netz vor Überlastung durch dynamische Lastanpassung in Echtzeit. Die Lösung ist skalierbar, unterstützt OCPP 1.6-J Ladestationen und fördert Nachhaltigkeitsziele durch messbare Emissionsreduzierung.

 

Virta Boost Header.webp

Virta Boost ist eine Erweiterung des Virta Adaptiven Lastmanagements (ALM), das Ihnen als Betreiber von Ladestationen für Elektrofahrzeuge hilft, vor Ort erzeugte erneuerbare Energien gezielt für den Ladevorgang zu nutzen, anstatt beide Systeme getrennt voneinander zu betreiben. Da immer mehr Standorte neben ihren Ladepunkten Solar-, Batterie-, Wind- oder Wasserkapazitäten hinzufügen, sorgt Virta Boost dafür, dass die vor Ort erzeugte erneuerbare Energie und das Laden von Elektrofahrzeugen harmonisch zusammenarbeiten. So können Sie:

  • Solar-, Batterie-, Wind- oder Wasserkraft für das Laden von Elektrofahrzeugen gegenüber Netzbezug priorisieren
  • Energiekosten senken, indem lokal erzeugte Energie zuerst genutzt wird
  • Die gleichen Netzanschlussschutzmechanismen wie beim Standard-ALM beibehalten
  • Den Anteil erneuerbarer Energien jeder Ladesitzung für ESG-Berichte erhöhen

 

1. Virta Boost Übersicht

Add Drop Shadow to Image.webp

Virta Boost ist eine erweiterte Funktion des Virta Adaptiven Lastmanagements (ALM). Es wurde entwickelt, um die Nutzung lokal erzeugter erneuerbarer Energien – wie Solarenergie – an Ladestandorten für Elektrofahrzeuge zu maximieren, indem es die vor Ort erzeugten Energiedaten intelligent mit dem Echtzeitverbrauch verknüpft.

Kurz gesagt: Virta Boost misst überschüssige Energie (von Solar, Batterie, Wind oder Wasserkraft) und erhöht vorübergehend das Importlimit der Lastmanagement-Gruppe, um diesen Überschuss dem Laden von Elektrofahrzeugen zuzuweisen – ohne eine Überlastung am Netzanschlusspunkt zu riskieren.

 

2. Vorteile

  • Maximale Nutzung erneuerbarer Energien – Priorisierung von Solar- oder Batteriestrom für das Laden von Elektrofahrzeugen.
  • Reduzierte Netzabhängigkeit – niedrigere Stromkosten durch Priorisierung der lokalen Energieverwendung.
  • Dynamisches Lastmanagement – automatische Balance von Gebäudelast, erneuerbarer Erzeugung und Ladevorgängen in Echtzeit.
  • Skalierbar und nahtlos – direkte Integration in bestehende Virta ALM-Konfiguration und OCPP-kompatible Ladestationen.
  • Unterstützt Nachhaltigkeitsziele – zeigt ein messbares Engagement für saubere und effiziente Energienutzung.

 

3. Virta Boost Funktionsweise  

Virta Boost baut auf der Standard-ALM-Logik auf, indem es die Echtzeitüberwachung der erneuerbaren Energieerzeugung zusätzlich zur üblichen Netzanschlussüberwachung integriert.

  • Wenn die Erzeugung von Solar-, Batterie-, Wind- oder Wasserkraft hoch ist, erhöht das System die verfügbare Ladeleistung, um den Überschuss vollständig zu nutzen.
  • Sinkt die erneuerbare Erzeugung oder steigt der Gebäudeverbrauch, reduziert das System automatisch die Ladeleistung, um innerhalb sicherer Lastgrenzen zu bleiben.

Diese dynamische Anpassung erfolgt kontinuierlich und automatisch nach der Installation – es ist keine manuelle Eingriff erforderlich, und das System arbeitet proaktiv statt reaktiv.

3.1 Gemessener vs. ungemessener Überschuss

Virta Boost kann auf zwei Arten betrieben werden, abhängig vom vorhandenen Messumfang:

  • Gemessener Überschuss (empfohlen) – ein eigener Zähler misst Ihre erneuerbare Energiequelle direkt, sodass Virta Boost genau weiß, wie viel Überschuss verfügbar ist, und diesen präzise dem Laden von Elektrofahrzeugen zuweist.
  • Ungemessener Überschuss – nur der Netzverbrauch wird mit der Standard-ALM-Box gemessen. Virta Boost erhöht vorübergehend das DLM-Limit der Ladegruppe, um lokal verfügbaren Überschuss zu nutzen, der nicht separat gemessen wird, und stellt dabei kontinuierlich sicher, dass das Netzanschlusslimit nie überschritten wird.

Ungemessener Überschuss ist eine einfachere Option, wenn die Installation eines zweiten Zählers an der erneuerbaren Quelle nicht möglich ist – es benötigt weniger Hardware, arbeitet jedoch mit einem weniger genauen Bild des jeweils verfügbaren Überschusses.

 

4. Virta Boost einrichten

4.1 Voraussetzungen

Was Sie benötigen, hängt davon ab, ob Sie gemessenen oder ungemessenen Überschuss einrichten (siehe Abschnitt 3.1):

Für gemessenen Überschuss:

  • Zwei Virta ALM Kits (Teltonika Gateway + Carlo Gavazzi EM24 Energiezählern) oder ein Virta ALM Kit mit zwei Energiezählern auf der neuesten Firmware (nur neu gekaufte Kits), installiert und betriebsbereit am Standort:
    • Ein Zähler am Netz- oder Transformatoranschlusspunkt, zum Schutz des Hauptstromkreises (siehe Standard-ALM-Anleitung).
    • Ein Zähler an der Erneuerbaren Energiequelle – Solar, Batterie, Wind oder Wasserkraft.
  • Betriebsbereite erneuerbare Energieerzeugung vor Ort (z. B. Solarmodule oder ein Energiespeichersystem).
  • Echtzeit-Produktionsdatenfähigkeit – der Energiezähler muss Live-Produktionsdaten an das Virta-Backend melden können (z. B. via Carlo Gavazzi).
  • OCPP 1.6-J kompatible AC- oder DC-Ladestationen.

Für ungemessenen Überschuss:

  • Ein Virta ALM Kit (Teltonika Gateway + Carlo Gavazzi EM24 Energiezähler) installiert am Netz- oder Transformatoranschlusspunkt – kein separater Zähler für die erneuerbare Quelle erforderlich.
  • Betriebsbereite erneuerbare Energieerzeugung vor Ort, die in denselben Netzanschluss einspeist.
  • OCPP 1.6-J kompatible AC- oder DC-Ladestationen.

Tipp: Wenn Ihre Messpunkte für Netzanschluss und erneuerbare Quelle weit auseinanderliegen, verwenden Sie besser zwei separate Virta ALM Kits statt eines Kits mit zwei Zählern.

4.2 Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einrichtung

4.2.1 Einrichtung für gemessenen Überschuss

Schritt 1: Hardware installieren

Installieren Sie Ihre Teltonika Gateways und Carlo Gavazzi EM24 Zähler:

  • Einen am Netz- oder Transformatoranschlusspunkt (schützt den Hauptstromkreis) – erforderlich für gemessene und ungemessene Setups.
  • Einen am Anschluss der erneuerbaren Quelle (Solar, Batterie, Wind oder Wasser) – nur für gemessenen Überschuss erforderlich.

Diese Geräte ermöglichen Virta Hub die Echtzeit-Überwachung des Verbrauchs am Standort und, falls installiert, der lokal erzeugten erneuerbaren Energie – diese Hardware ist essenziell; Virta Boost kann ohne mindestens den Netzanschlusszähler mit Live-Daten nicht funktionieren.

Schritt 2: ALM-Gruppe in Virta Energy konfigurieren

Melden Sie sich bei Virta Energy an, navigieren Sie zu LastmanagementALM-Gruppeneinstellungen und erstellen oder wählen Sie die ALM-Gruppe für Ihren Standort aus. Folgen Sie diesen Schritt-für-Schritt-Anweisungen:

Untitled design (1).webp
  1. DLM-Grenzwert festlegen (Obergrenze für den Gesamtverbrauch der Ladegruppe)
  2. ALM-Grenzwert festlegen (Grenze für den Stromverbrauch pro Phase aus dem Netz)
  3. Fügen Sie die External Device UUID des Teltonika Gateways hinzu, das den Netzanschluss misst, und wählen Sie Carlo Gavazzi EM24 als Zähleranbieter aus.

    Beispielkonfiguration (Netzanschlusszähler):

    Zähler Nr.1 (ICCID-1) Beispielwert
    IP-Adresse 192.168.1.10
    Subnetzmaske 255.255.255.0
    Gateway 192.168.1.1
    Server-ID (falls zutreffend) 2
  4. Wählen Sie „Boost charging“ aus
  5. Fügen Sie die External Device UUID für Boost charging des Teltonika Gateways hinzu, das den Solar-/Batterieanschluss misst, und wählen Sie erneut Carlo Gavazzi EM24 als Zähleranbieter aus.

    Beispielkonfiguration (Zähler erneuerbare Quelle):

    Zähler Nr.2 (ICCID-2) Beispielwert
    IP-Adresse 192.168.1.11
    Subnetzmaske 255.255.255.0
    Gateway 192.168.1.1
    Server-ID (falls zutreffend) 3

Schritt 3: Speichern und Datenfluss prüfen

  • Bestätigen Sie, dass Echtzeitverbrauchsdaten – und bei gemessenem Überschuss auch Produktionsdaten – in der Energy-Benutzeroberfläche sichtbar sind.
  • Bestätigen Sie, dass die Ladeleistung dynamisch entsprechend verfügbarem Überschuss und Gebäudebedarf angepasst wird.

Schritt 4: Testen und überwachen

  • Schließen Sie ein oder mehrere Elektrofahrzeuge an und beobachten Sie, wie die Ladeleistung mit steigendem erneuerbarem Überschuss zunimmt.
  • Überwachen Sie das System einige Tage, um einen optimalen Betrieb ohne Überlastungen sicherzustellen.

4.2.2 Einrichtung für ungemessenen Überschuss

Folgen Sie der Anleitung zur Einrichtung von ALM in der Virta Energy UI

Virta Energy UI Virta Boost (1).webp
  1. Wählen Sie „Laden mit Überschusskapazität aktivieren“
  2. Legen Sie die obere Grenze für die Ladegruppe im DLM-Feld „Maximaler Nennstrom (A)“ fest. Dies ist das maximale Limit, bis zu dem die Ladestationen Energie verbrauchen können, wenn Überschuss verfügbar ist. Ohne Überschuss fällt das System auf das ALM-Limit zurück.

 

5. Support & Fehlerbehebung

  • Stellen Sie sicher, dass alle Firmware- und Softwareversionen Ihrer ALM Kits auf dem neuesten Stand sind.
  • Für komplexe Standortkonfigurationen oder Multi-Standort-Setups wenden Sie sich an Ihren Virta-Ansprechpartner.
  • Für detaillierte Kompatibilitätsinformationen und Fehlerbehebung kontaktieren Sie unseren Support über eine Anfrage oder Ihren Virta-Ansprechpartner.

 

6. Häufig gestellte Fragen

1. Kann ich Perific-Zähler statt Carlo Gavazzi-Zähler verwenden?

Theoretisch möglich, aber für Virta Boost nicht offiziell unterstützt. Perific-Zähler nutzen WLAN und Cloud-Berichte in etwa 30-Sekunden-Intervallen, was für Echtzeit-Lastanpassungen zu langsam ist. Die Überschussproduktion erneuerbarer Energien kann sehr schnell schwanken. Für zuverlässige Leistung verwenden Sie Carlo Gavazzi-Hardware, die direkt mit Virta ALM integriert ist.

2. Muss die erneuerbare Quelle am gleichen Anschluss wie die Ladestationen hängen?

Nicht unbedingt. Die erneuerbare Quelle muss innerhalb desselben Netzanschlusses (hinter den Hauptsicherungen) angeschlossen sein, aber nicht zwangsläufig am exakt gleichen physischen Punkt. Ausnahmen gelten für Multi-Standort-Setups unter einem einzigen Stromvertrag.

3. Funktioniert Virta Boost auch ohne Solarpanels?

Ja. Es kann jede erneuerbare oder gespeicherte Energiequelle nutzen – Batteriespeicher, Wind oder Wasser – vorausgesetzt, Echtzeit-Produktionsdaten sind verfügbar.

4. Welche OCPP-Version wird benötigt?

Virta Boost unterstützt OCPP 1.6-J kompatible AC- oder DC-Ladestationen.

5. Wie schützt Virta Boost vor Netzüberlastung?

Das System überwacht kontinuierlich die Gesamtlast des Standorts und passt die Ladeleistung der Elektrofahrzeuge automatisch an, um innerhalb der sicheren Importgrenze zu bleiben und so die Netzstabilität jederzeit zu gewährleisten.

6. Wie schnell reagiert Virta Boost auf Änderungen in der erneuerbaren Produktion?

Die Anpassungen erfolgen nahezu in Echtzeit, sodass das System sofort auf Schwankungen in der erneuerbaren Erzeugung oder im Gebäudebedarf reagiert.

7. Benötige ich einen Zähler an der erneuerbaren Quelle, um Virta Boost zu nutzen?

Nein – Virta Boost unterstützt auch ungemessenen Überschuss und nutzt nur den standardmäßigen ALM-Netzanschlusszähler. In diesem Modus erhöht Virta Boost vorübergehend das DLM-Limit, um lokalen Überschuss ohne eigenen Produktionszähler zu verwenden, während das Netzlimit stets eingehalten wird.

 

Das war’s. Sie wissen nun, wie Virta Boost Ihnen – als Betreiber eines Ladeorts, Flottenbetreiber oder eMobility-Anbieter – ermöglicht, die Nutzung erneuerbarer Energien zu maximieren, Energiekosten zu senken und die Netzzuverlässigkeit zu verbessern, während Sie Ihre Nachhaltigkeitsziele erfüllen.

Durch die nahtlose Integration mit Virta ALM und Ihren vor Ort erzeugten erneuerbaren Energien verwandelt Virta Boost Ihre Ladeinfrastruktur in ein intelligentes, grünes und kosteneffizientes Energie-Ökosystem.

Wenn Sie Fragen haben oder Hilfe bei der Einrichtung von Virta Boost benötigen, stehen Ihnen Ihr Customer Success Manager oder unser Support-Team jederzeit gerne zur Verfügung.

War dieser Beitrag hilfreich?